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Sammelstiftungsanschluss für autonome Pensionskassen: eine Fallstudie.

01.10.2015 08:07

Interview mit Peter Stahel, Leiter Finanzen und Logistik bei Leica Camera AG.

Die zunehmende Regulierungsdichte in der beruflichen Vorsorge veranlasst insbesondere kleinere selbständige Pensionskassen, ihre Autonomie zu hinterfragen. Als Auslöser wird oft die sogenannte Strukturreform genannt, welche in drei Etappen ab 1.1.2011 eingeführt wurde. Mit dem Ziel angetreten, Transparenz und Governance zu verbessern hat sie den Vorsorgeeinrichtungen viele zusätzliche Aufgaben gebracht. So müssen etwa die Kosten für die allgemeine Verwaltung, die Vermögensverwaltung und allfällige Maklermandate neu separat ausgewiesen werden. Ebenso ist die Einführung einer „der Grösse und Komplexität angemessenen internen Kontrolle“ zwingend (Art. 35 BVV2). Die Reglemente mussten bis Ende 2012 überarbeitet werden, primär bezüglich der Aufgaben des Stiftungsrates und der Bestimmungen betreffend Loyalität und Integrität der Verantwortlichen.

Seit 1.1.2015 gilt für Pensionskassen zudem die bundesrätliche Verordnung zur Umsetzung der „Abzocker“-Initiative von Thomas Minder. Sie müssen bei Direktanlagen in Aktien bei gewissen Traktanden an einer Generalversammlung zwingend ihre Stimme abgeben, was mit einem weiteren Zusatzaufwand verbunden ist.

Die zunehmenden Transparenzanforderungen führen letztlich zu höheren Verwaltungskosten, welche die Rendite der Pensionskassen belasten. Dies ist gerade in dem momentan herausfordernden Anlageumfeld mit Negativzinsen eine höchst unerwünschte Situation. Insbesondere kleinere Pensionskassen hinterfragen in dieser Situation ihre Organisationsform grundlegend und prüfen eine Aufgabe der Selbständigkeit durch einen Anschluss an eine Sammeleinrichtung. Auslöser zur Prüfung dieser Option ist in manchen Fällen auch ein Personalwechsel wie z.B. die Pensionierung des Geschäftsführers der Pensionskasse.

Oft gelangen die verantwortlichen Organe in eine unangenehme Situation, wenn es darum geht, die aktuellen Grundlagen ihrer Vorsorgeeinrichtung in ein Sammelstiftung-konformes Korsett einzupassen. Bei den meisten Anbietern gelten strikte Vorgaben, beispielsweise betreffend Höhe des Umwandlungssatzes, der Verzinsung, der Rentnerübertragung und der Wahl des Rückversicherers. Ein nahtloser Übergang ist so kaum möglich, zumal in Vorsorgefragen bei Mitarbeitern und Rentnern eine hohe Sensibilität betreffend einer Besitzstandwahrung besteht. Als Folge wird nach einer ersten Analyse und der Einholung von Offerten erst mal von einem organisatorischen Neustart abgesehen. 

Das muss nicht sein, denn es gibt auch Sammelstiftungen, die eine passgenaue Umsetzung der bestehenden Reglemente und der Rahmenbedingungen einer Pensionskasse ermöglichen, zum Beispiel die PREVAS Sammelstiftung. Hier wählt das beitretende Vorsorgewerk eine massgeschneiderte Lösung aus, welche einen reibungsfreien Übergang ermöglicht. So können neben dem Vorsorgeplan auch der bestehende Vermögensverwalter, das Zahlungsverkehrskonto bei der Hausbank, der Rückversicherer, der aktuelle Umwandlungssatz und die aktuelle Verzinsung übernommen werden. Der Deckungsgrad wird bei diesem Modell konsequenterweise auch für jedes angeschlossene Vorsorgewerk individuell weitergeführt.

Die Firma Leica Camera AG in Nidau hat sich vor zwei Jahren für eine Aufgabe der Autonomie ihrer Pensionskasse entschieden und sich der PREVAS Sammelstiftung angeschlossen. Wir konnten mit Finanzchef Peter Stahel ein Interview zum Übergangsprozess führen.  

                 

Herr Stahel, erzählen Sie uns bitte etwas über die Geschichte Ihrer Pensionskasse, auch über das Verhältnis Ihres KMU zum LEICA Konzern.

 

 

Lange bevor das Gesetz der beruflichen Vorsorge zustande kam, errichtete 1963 die damalige Vorgängerfirma Petraglio & Co. AG eine Stiftung für die Angestellten mit dem Zweck der Fürsorge bei Alter, Krankheit, Unfall, Invalidität und Tod. Im Juni 1976 wurde die operative Gesellschaft im Rahmen einer Nachfolgeregelung an den Ernst Leitz Konzern verkauft. Die Stiftung unter dem Namen Fürsorgefonds der Petraglio & Co. AG blieb als Vorsorgeeinrichtung erhalten. Als Folge einer Fusion des Konzerns wechselte die Gesellschaft 1990 ihren Namen in Leica Camera AG. Zum selben Zeitpunkt wurde auch die Stiftung in den Firmennamen umbenannt. Zwischen 1995 und 2008 wurde die Firma durch einen Management-Buy-out nochmals autonom. Darüber hinaus kam im 2001 eine Schwestergesellschaft dazu, deren Mitarbeiter ebenfalls an die Stiftung angeschlossen wurden. Im 2008 wurden die Firmen erneut an den Leica Camera Konzern verkauft. Allerdings änderte diese Tatsache nichts am Weiterbestehen der Stiftung mit ihrer Vorsorgefunktion. Auf 1. Januar 2014 erfolgte die Überführung der Stiftung in ein neues Vorsorgewerk, das an der PREVAS Sammelstiftung angeschlossen ist. Zwischenzeitlich ist die eigene Personalstiftung liquidiert worden.

 

          Welche Eckdaten hatte Ihre „alte“, autonome PK?

Am Ende verwaltete die liquidierte Personalstiftung rund CHF 6,3 Mio. Vermögen. An die Stiftung waren zwei operative Gesellschaften mit knapp 30 Angestellten angeschlossen. Die Stiftung war teilautonom. Die Risiken Invalidität und Tod wurden an einen Rückversicherer ausgelagert, die Vermögensverwaltung oblag dem Stiftungsrat und die Buchführung wurde von der PREVAS AG wahrgenommen.

 

          Wann wurde denn das Thema Autonomie-Aufgabe erstmals diskutiert?

Auch bei uns war der Auslöser die Strukturreform. Mit Beginn der Umsetzungen dieser Reform häuften sich im Stiftungsrat die Diskussionen über eine Alternative zur bestehenden Lösung.

 

Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Reaktion der Mitarbeitenden auf Wechsel-Absichten: Gab es Gegner? Welche Argumente haben sie vorgebracht?

Die Versicherten zeigten sehr viel Verständnis für die Absichten des Stiftungsrats, zumal der Rat auch deutlich darstellen konnte, dass die zukünftigen Aufgaben in der Stiftung nach dem bestehenden Milizprinzip nicht mehr zu bewältigen waren. Einzige Bedenken gingen in Richtung Autonomie-Verlust und damit verbunden die klare Abgrenzung der eigenen Rechnung mit den entsprechenden Vermögenspositionen und der Wertschöpfung auf diesen.

 

     Wie sind Sie den Einwänden begegnet?

Durch unsere Diskussionen mit Fachverantwortlichen der PREVAS AG wussten wir, dass wir eine weitgehende Autonomie behalten werden und trotzdem den Vorteil der Entlastung in den Verwaltungsaufgaben hatten. Dieses Wissen gaben wir an die Versicherten weiter.

 

          Wie kamen Sie auf PREVAS?

Das lag auf der Hand. Durch den regelmässigen Kontakt mit dem Vorsorge-Experten wurden wir auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht.

 

          Wie gestaltete sich die Offertphase?

Grundsätzlich einfach, da die Organisation und Führung der PREVAS Sammelstiftung unseren Anforderungen am nächsten kam. Auch die Übernahme- und die zukünftigen Verwaltungskosten entsprachen unseren Vorstellungen.

 

Im Pensionskassen-Markt gibt es eine grosse Auswahl von Sammelstiftungen. Welche Argumente gab es für die PREVAS Sammelstiftung?

Wie bereits erwähnt, ist es für uns wichtig, weiterhin innerhalb gewisser Grenzen selber entscheiden zu können. Das manifestiert sich zum Beispiel bei den Anlagen, die wir auch in Zukunft innerhalb einer Produkt-Palette auswählen können. Zentral war ebenfalls, dass sämtliche Versicherte inklusive Rentenbezüger in das neue Vorsorgewerk übernommen werden konnten. Darüber hinaus kennen wir aus der Vergangenheit die sehr guten Leistungen der PREVAS AG und sind deshalb überzeugt mit der Sammelstiftung eine ausgezeichnete Lösung gefunden zu haben.

         

Wie gestaltete sich der Übergang? Welche vorgängigen Eckwerte konnten übernommen werden? Welche wurden aufgegeben?

Es konnten alle relevanten Eckwerte übernommen werden. Sämtliche Versicherte, die gesamten Aktiven und Passiven der Bilanz sowie die bestehende Risikoversicherung. Die wohlerworbenen Rechte der Destinatäre blieben gewahrt. Der Übergang erfolgte grundsätzlich problemlos. Es mussten einige administrative Prozesse angepasst werden, wie zum Beispiel der Zahlungsverkehr. Aufwändiger gestaltete sich die Liquidierung der bisherigen Stiftung, da hier viele Formalitäten zu erledigen waren, die allerdings hauptsächlich von der PREVAS AG wahrgenommen wurden.

 

Seit dem Anschluss an die PREVAS Sammelstiftung sind mittlerweile zwei Jahre vergangen. Konnte diese massgeschneiderte Lösung auch wirklich administrativ umgesetzt werden?

Die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv. Der administrative Aufwand konnte zurückgebunden werden und wir stehen für viele Aufgaben nicht mehr in der unmittelbaren Pflicht, was einer klaren Entlastung gleichkommt. Die organisatorischen Änderungen waren gering.

 

     Rückblickend: Würden Sie es wieder tun?

Auf jeden Fall, wobei es nicht nur meine Entscheidung war, sondern die des Stiftungsrates. Die Komplexität ist zu gross geworden, als dass wir die Aufgaben weiterhin im Milizsystem hätten bewältigen können und wollen.

 

                    Was empfehlen Sie anderen Firmen, die einen solchen Schritt planen. Wo lauern Gefahren?

Ich empfehle anderen KMU Firmen, sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen und die Vor- und Nachteile eines Anschlusses an eine Sammelstiftung abzuwägen. Meines Erachtens überwiegen die Vorteile deutlich bei einer Lösung wie wir sie bei der PREVAS Sammelstiftung haben. Gefahren sehe ich darin, dass die Autonomie vollständig wegfallen könnte und das Vermögen zentral verwaltet würde.

 

                    Herr Stahel, wir danken Ihnen für dieses Interview!