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Ob-La-Di, Ob-La-Da, Obligatorium

03.03.2015 11:47

Das jamaikanische Paar Desmond und Molly gehören im Beatles-Song zusammen wie Obligatorium und Überobligatorium in der Schweizer Berufsvorsorge. Sie teilen das gleiche Schicksal: Oft gehört, weiss kaum jemand, was eigentlich damit gemeint ist. Obladioblada soll auf Nigerianisch so viel bedeuten wie „es kommt, wie es kommt“, was eigentlich ganz gut zum Thema Altersvorsorge passt. Wie kam es aber zu der Trennung der PK-Sphären?

Am Anfang war das Gesetz

Obligatorium und Überobligatorium (Kosenamen: Obli und Überobli) haben 1985 das Licht der Vorsorgewelt erblickt, bei der Einführung des BVG siebzehn Jahre nach Erscheinen des Beatles-Songs. Das neue Gesetz basierte auf den Strukturen der bereits bestehenden Vorsorgeeinrichtungen, führte aber neu eine Mindestvorsorge ein. Diese wurde fortan als Obligatorium bezeichnet. Viele Pensionskassen gehen aber bei der Ausgestaltung ihrer Vorsorgekonzepte über die gesetzlichen Minimalvorschriften hinaus. Dieser Teil der 2. Säule wird Überobligatorium genannt.

Nicht jede Rente ist vor dem Gesetz gleich 

Ein Beispiel gefällig? – Nehmen wir den Renten-Umwandlungssatz. Das Gesetz schreibt einen minimalen (obligatorischen) Umwandlungssatz vor, welcher bei aktuellen Pensionierungen bei 6.8% liegt, für Frauen und Männer identisch. Es werden also pro 100‘000 Franken Vorsorgekapital 6‘800 Franken jährliche Rente fällig, bis zum Lebensende. Dieser Prozentsatz bezieht sich aber nur auf das im Obligatorium angesparte Geld. Ihre Pensionskasse führt dieses theoretische Referenzkapital immer parallel zu Ihrem effektiven Sparkapital mit. Ein Blick auf Ihren  Vorsorgeausweis  zeigt Ihnen, wie hoch dieses ist. Es resultiert aus den verzinsten Sparbeiträgen, welche jährlich aufgrund des versicherten Verdienstes und der altersabhängigen Spar-Prozente berechnet werden. Beides gemäss den Mindestanforderungen des BVG (siehe unser Beispiel  hier ).

Viele „überobligatorische“ Kassen berücksichtigen aber einen höheren Lohnanteil und wenden auch höhere Sparprozentsätze an, woraus sich ein viel höheres effektives Altersguthaben bei der Pensionierung ergeben kann. Diese Pensionskassen haben dann die Möglichkeit, generell einen tieferen Umwandlungssatz auf den Gesamt-Altersguthaben ihrer Versicherten festzulegen, zum Beispiel 6%. Für jeden Versicherten wird dann in einer Vergleichsrechnung (der sogenannten Schattenrechnung) sichergestellt, dass mit diesem tieferen Umwandlungssatz die gesetzlichen Mindestanforderungen eingehalten werden. Bei Versicherten mit geringem überobligatorischen Sparanteil wird dann der Umwandlungssatz im nötigen Masse erhöht.  

Scheingefechte um Mindestwerte?

Wo treten Obli und Überobli sonst noch an prominenter Stelle auf? – Zum Beispiel beim in Ihrer Pensionskasse versicherten Lohnanteil, bei der Festlegung der Risikoleistungen bei Tod und Invalidität und bei der Verzinsung des Sparkapitals. Der BVG-Mindestzinssatz von aktuell 1.75 % muss von den Vorsorgeeinrichtungen also nur auf dem Sparkapital gemäss BVG-Obligatorium eingehalten werden. Überobligatorische Kassen können den Zins auch tiefer ansetzen.

So sind die Diskussionen um Mindestzins und Umwandlungssatz oft Scheingefechte, die nur einen Teil der beruflichen Vorsorge betreffen, denn viele PKs decken einen bedeutenden Anteil an überobligatorischen Leistungen ab. Solche Kassen dürfen diese politisch heftig diskutierten Werte also auch unterschreiten.

Falls Ihnen diese Erklärungen etwas kompliziert erscheinen, hier zur Auflockerung  die deutsche Übersetzung des eingangs erwähnten Songs, der Geschichte eines Liebespaars, welche sich wie eine Pensionskassen-Biografie über ein ganzes Leben hin erstreckt.